Women's palm on pile of white alpaca fleece

Alpakafell – das weltweit erste nachhaltige Echtfell?

Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts stellt in Zeiten von Massentierhaltung und Konsum im Überfluss zunehmend die Frage nach der Herkunft und der Produktion – völlig zurecht. In den Supermärkten wird zunehmend „Bio“ gekauft und der Fokus wird auf die regionale Herstellung der Lebensmittel gelenkt. „Ist das echtes Fell?“ lautet nicht selten die erste Frage eines Kunden nach dem Berühren eines unglaublich weichen Produktes aus Alpakafell. „Mussten die Tiere dafür sterben?“ ist meist die folgende Reaktion auf die Bejahung der ersten Frage. Und hier kommt das Besondere am Alpakafell: NEIN, mussten sie nicht. Kein alltäglicher Blog-Eintrag, sondern eine wahre Geschichte.

 

Es ist ein trüber, kühler Mittwochmorgen, an dem sich Jannik und David gemeinsam mit ihren lokalen Bekannten Kevin und Luis auf den Weg in die Hochländer der Anden machen. Ihr Ausgangspunkt: Lima, die Hauptstadt Perus, an der rauen Küste des Pazifiks gelegen. Ihr Zwischenziel: Jauli, eine Kleinstadt in der Andenregion Perus, 4300m. Ihr eigentliches Ziel: unbekannt, irgendwo im nirgendwo in den Graslandschaften der majestätischen Gebirgszüge. 4700, vielleicht 4800m Höhe. Die erste Etappe der Reise verläuft – nach peruanischen Verhältnissen – einigermaßen entspannt. Nachdem der herausfordernde Verkehr auf der aus Richtung Lima kommend einzigen Straße, die aus dem Slog der Großstadt ins Innere des Landes auf über 4000m Höhe führt, einmal bewältigt ist, treffen sie in Jauli auf einen speziell organisierten Fahrer, der die zweite erste Etappe mit einem 4×4-Allradler durch schmalste, teils matschige Schotterwege am Rande der Bergketten in schwindelerregender Höhe ebenfalls noch deutlich erleichterte.  Die dritte und damit letzte Etappe des abenteuerlichen Trips sollte jedoch zumindest die beiden Deutschen an ihre körperlichen Grenzen bringen.

 

Nachdem selbst der 4×4 nicht mehr weiter fahren konnte, blieb nur noch eins: zu Fuß weiter laufen. Luis, ein lokaler Vertreter verschiedenster, kleiner Kommunen in den Hochländern, war sich sicher: wenn man die Wiesen weiter hinaufstieg, so würde man bald ans Ziel gelangen. Die Höhe machte inzwischen dem gesamten Quartett zu schaffen: der Kopf dröhnte, das Herz pochte. Weiter, immer weiter, sagte Luis! Höher, immer höher, hätte es auch getroffen. 20 Minuten des anstrengenden Aufstiegs, 30 Minuten, 35 Minuten. Weit und breit: nichts. Bis zum Horizont erstrecken sich schier unendlich wirkende Wiesen, im Rücken die gigantische Sierra, wie die Gebirgszüge der Anden in Peru auch genannt werden, eine Phantasiewelt.

 

Immer wieder führt der Weg über kleine Kuppen, neue Wiesen eröffnen sich, dekoriert von einer vielfältigen Flora und Fauna. Der nächste Hügel ist erreicht, die nächste Weide erscheint – und dann plötzlich das: ein Haus, genauer gesagt zwei kleine Holzhütten mit ein paar alten Bänken vor der Tür. Alt, heruntergekommen, morsch. Linksseitig der Hütte ein großer, runder Zaun. Und siehe da – am Horizont lassen sich erste schemenhafte Wesen erkennen, die sich langsam der Hütten zu nähern scheinen – eine Herde von ca. 100 weißen Alpakatieren.

 

Kurze Zeit später wird Alpaka-Bauer Angel seine Herde im weiten, runden Zaun eingepfercht haben. Er freut sich über den Besuch der Deutschen; es sind die ersten überhaupt, die ihn an diesem Hof fernab jeglicher Zivilisation besuchen kommen. Er nimmt sich Zeit, um Jannik und David die Zucht der Tiere, seine einzige Einnahmequelle, zu erklären. Er sei hier geboren, hier aufgewachsen. In diesem Moment kommt seine Mutter aus dem Inneren des Hofes hervor, eine steinalte, gebrechliche Frau. Sie sei oft scheu gegenüber Fremden, so Angel. Anders er selbst. Er berichtet stolz, wie viel ihm die Alpakatiere bedeuten, sie seien wie Kinder für ihn. Sie seien dazu sehr pflegeleicht und umweltfreundlich, brauchen deutlich weniger Wasser und vor allem Futter zum Überleben als vergleichbare Tiere wie Zuchtrinder oder auch Schafe und Kaschmirziegen. So schädigen die Tiere die Grasnarbe nicht, sodass ein erneutes Grasen auf derselben Weide nach einiger Zeit möglich sei. Nichtsdestotrotz sei ein Sterben der Tiere, gerade im jungen Alter, oftmals nicht zu verhindern. Das Klima hier oben sei inzwischen unberechenbar geworden. Früher habe es noch klarere Zeiten gegeben, sodass sich die Bauern auf die kommenden Wochen und Monate vorbereiten konnten. Inzwischen spiele das Wetter aufgrund des Klimawandels so verrückt, dass es nicht selten Temperaturunterschiede von bis zu 20, 25 Grad zu bewältigen gäbe – innerhalb eines Tages.

 

Durch die Zucht sei jedoch eine halbwegs konstante Anzahl an Tieren in der Herde sicherstellbar – so führten die Tiere im Hintergrund während des Gesprächs unbekümmert ihr natürliches Treiben. Was er mit dem gestorbenen Tier mache, möchte Jannik wissen. Er biete es in der Regel auf dem Markt, den er alle zwei Wochen besuche, an. Manchmal komme jedoch auch ein bekannter von ihm vorbei, der die Felle der gestorbenen Tiere einsammle und weiterverkaufe, so Angel. Was passiert mit dem Rest des Tieres? Wird das Fleisch gegessen? Ist es für Dich besonders ertragreich? Nein – entgegnet Angel. Obwohl das Fleisch des Alpakas an manchen Orten auch gegessen werde, so sei es für ihn ein reines Verlustgeschäft. Mit einem einmaligen Scheren verdiene er bereits mehr als mit einem Fell des Tieres. Eine unglaublich wichtige Erkenntnis.

 

Jannik und David sind die Gründer von WEICH Couture Alpaca, der ersten Luxusmarke, die sich auf das nachhaltige, ethisch korrekte Alpakafell spezialisiert haben. Die Geschichte begleitet sie auf der Erkundung der Wertschöpfungskette ihrer Firma, um sicherzustellen, dass es sich wirklich um die erste nachhaltige Fellvariante handelt.

 

Vor allem im Hochpreissegment sind die Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden, aus denen auffällige Jacken aus Krokodilleder, glamouröse Mäntel aus Nerzfellen, oder edle Designer-Handtaschen aus Schlangenleder hergestellt werden, höchst fragwürdig – wenn nicht gar erschreckend. So werden den Tieren teils bei lebendigem Leib die Felle – ihre Haut – abgerissen. Eine abscheuliche Folter. Davon ist bei Angel, dem Alpakabauern in den Hochländern der Anden auf 4800m Höhe, nichts zu spüren, aber auch wirklich gar nichts. Abgesehen von der Tatsache, dass es in Peru verboten ist, den Alpakatieren zu schaden, haben die Bauern keine ökonomische – und damit auch nicht selten dem eigenen Zwang zum Überleben geschuldete – Motive, ihren geliebten Alpakatieren zu schaden. Sie würden sich quasi ins eigene Fleisch schneiden, die einzige Einnahmequelle für die kommenden 15, 20 Jahre einfach auslöschen.

 

Alpakafell wird als Beiprodukt des bereits gestorbenen Tieres also ausschließlich von Tieren genommen, die bereits eines natürlichen Todes gestorben sind. Eine Revolution! Kein Tierleiden mehr, kein schlechtes Gewissen beim Tragen eines Fellmantels oder Dekorieren mit einem Fellteppich, Alpaka ist Bio!

 

Kein Zweifel – Alpaka ist nicht die erste nachhaltige und dazu umweltfreundliche Fellalternative. Aber für die Naturliebhaber unter uns, die sich nach dem Natürlichen, Vollkommenen sehnen, und dazu auf die unerreichte Haptik eines Produkts aus Echtfell nicht verzichten möchten – für die bietet Alpaka eine echte Alternative. Keinen Tieren wurde geschadet, keine Kinder mussten für eine aufwändige Polyester-Produktion schuften, sondern ein nachhaltiges, und dazu unglaublich weiches Produkt wurde nach traditionellem, peruanischem Handwerk kreiert.  Das Fell des 21. Jahrhunderts.